Grabende Schädlinge

Wühlmaus oder Maulwurf? So erkennen Sie den Unterschied

Wühlmaus oder Maulwurf? Erfahren Sie, wie sich Erdhaufen, Gänge, Fraßspuren und Verhalten unterscheiden und warum die richtige Bestimmung wichtig ist.

Wühlmaus oder Maulwurf? So erkennen Sie den Unterschied

Plötzlich tauchen Erdhaufen im Rasen oder Gemüsebeet auf. Unter der Oberfläche verlaufen neue Gänge und vielleicht beginnen sogar Pflanzen zu welken. Doch welches Tier steckt dahinter – Wühlmaus oder Maulwurf?

Die Unterscheidung ist wichtiger, als sie zunächst erscheint. Beide Tiere leben überwiegend unterirdisch und können sichtbare Erdhaufen hinterlassen. Ihre Ernährung, ihre typischen Spuren und vor allem ihre rechtliche Stellung in Deutschland unterscheiden sich jedoch deutlich.

Bevor Sie Fallen oder andere Maßnahmen einsetzen, sollten Sie deshalb zuerst möglichst sicher bestimmen, welches Tier tatsächlich in Ihrem Garten aktiv ist.

Wühlmaus und Maulwurf auf einen Blick

Wühlmäuse sind Nagetiere. Besonders die Schermaus kann in Gärten durch Fraß an Wurzeln, Knollen und Blumenzwiebeln erhebliche Pflanzenschäden verursachen.

Der Europäische Maulwurf ist dagegen kein Nagetier. Er ernährt sich hauptsächlich von tierischer Nahrung wie Regenwürmern, Insekten und Larven. Pflanzenwurzeln gehören nicht zu seiner normalen Nahrung.

Die wichtigsten Unterschiede:

Wühlmaus

  • Pflanzenfresser
  • kann Wurzeln, Knollen und Blumenzwiebeln anfressen
  • Erdhaufen häufig flacher und länglicher
  • Haufen können Gras- und Wurzelreste enthalten
  • Gänge häufig relativ dicht unter der Oberfläche
  • bestimmte Wühlmausarten dürfen in Deutschland bekämpft werden

Maulwurf

  • ernährt sich überwiegend von Bodentieren
  • frisst Pflanzenwurzeln nicht gezielt
  • typische Hügel meist rundlicher und größer
  • wirft Erde häufig in deutlich sichtbaren Hügeln aus
  • kann Pflanzen beim Graben indirekt beeinträchtigen
  • ist in Deutschland besonders geschützt

1. Erdhaufen vergleichen

Die Erdhaufen sind eines der ersten Merkmale, die Gartenbesitzer bemerken.

Typische Wühlmaushaufen sind häufig länglich und vergleichsweise flach. In der ausgeworfenen Erde können sich Wurzel- oder Grasreste befinden.

Maulwurfshügel wirken dagegen meist rundlicher und größer. Der Maulwurf transportiert die beim Anlegen und Erweitern seines Gangsystems anfallende Erde an die Oberfläche.

Ein einzelner Hügel reicht für eine sichere Bestimmung jedoch nicht immer aus. Bodenart, Feuchtigkeit und die genaue Lage des Gangsystems können das Erscheinungsbild beeinflussen.

2. Auf Fraßschäden an Pflanzen achten

Der Zustand der Pflanzen liefert einen weiteren wichtigen Hinweis.

Wühlmäuse ernähren sich von Pflanzenmaterial. Besonders gefährdet sind unterirdische Pflanzenteile wie:

  • Wurzeln
  • Knollen
  • Blumenzwiebeln

Bei Gehölzen kann starker Wurzelfraß dazu führen, dass Pflanzen welken oder ungewöhnlich locker im Boden stehen.

Beim Maulwurf sieht das anders aus. Er sucht vor allem nach tierischer Nahrung im Boden. Beim Graben kann er zwar Pflanzen unterhöhlen oder Wurzeln mechanisch freilegen, er frisst sie jedoch nicht gezielt.

Wenn Sie neben Erdhaufen deutliche Fraßspuren an Wurzeln oder Knollen entdecken, spricht das daher eher für Wühlmäuse.

3. Verlauf und Lage der Gänge prüfen

Auch die Gangsysteme können Hinweise liefern.

Wühlmausgänge verlaufen häufig relativ dicht unter der Bodenoberfläche. Dadurch kann sich der Boden stellenweise leicht anheben.

Maulwürfe legen ebenfalls weitläufige unterirdische Gangsysteme an. Sichtbar werden häufig vor allem die einzelnen Erdhaufen, über die überschüssige Erde an die Oberfläche transportiert wird.

Allerdings können sich die Gangsysteme überschneiden. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Maulwürfe, Schermäuse und Feldmäuse gemeinsam vorkommen und teilweise sogar dieselben Gänge nutzen können.

Deshalb sollte die Bestimmung nicht ausschließlich anhand der Lage eines einzelnen Ganges erfolgen.

4. Die Verwühlprobe durchführen

Wenn Erdhaufen und Pflanzenschäden keine eindeutige Antwort liefern, kann eine sogenannte Verwühlprobe helfen.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen empfiehlt diese Prüfung ausdrücklich vor Bekämpfungsmaßnahmen, um eine Verwechslung mit dem geschützten Maulwurf auszuschließen.

So funktioniert die Verwühlprobe grundsätzlich:

1. Suchen Sie einen unterirdischen Gang in der Nähe eines verdächtigen Erdhaufens. 2. Legen Sie einen Abschnitt des Ganges vorsichtig frei. 3. Markieren Sie die Stelle, damit Sie sie später wiederfinden. 4. Kontrollieren Sie anschließend, wie das Gangsystem verändert wurde.

Ein von einer Wühlmaus aktiv genutzter Gang wird typischerweise wieder verschlossen beziehungsweise „verwühlt“. Ein Maulwurf kann einen geöffneten Bereich dagegen unterwühlen.

Für eine möglichst sichere Bestimmung sollte die Verwühlprobe zusammen mit weiteren Merkmalen wie Erdhaufen, Fraßschäden und Gangverlauf betrachtet werden.

Warum ist die Unterscheidung in Deutschland so wichtig?

Die richtige Identifikation ist nicht nur für eine wirksame Schädlingskontrolle entscheidend.

Sie ist auch aus rechtlicher Sicht wichtig.

Der Maulwurf gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes darf er weder gestört, gefangen noch getötet werden.

Deshalb dürfen Maßnahmen gegen Wühlmäuse nicht so durchgeführt werden, dass dabei versehentlich Maulwürfe geschädigt werden.

Das Umweltbundesamt weist außerdem darauf hin, dass nicht automatisch jede Mausart bekämpft werden darf. Hausmaus, Wanderratte, Hausratte, Schermaus, Rötelmaus, Erdmaus und Feldmaus gehören zu den ausdrücklich genannten Ausnahmen vom besonderen Schutz. Andere Arten können dagegen geschützt sein.

Wenn die Tierart nicht sicher bestimmt werden kann, sollten Sie deshalb keine Bekämpfungsmaßnahme durchführen, die das Tier verletzen oder töten könnte.

Sind Maulwürfe eigentlich schädlich?

Maulwurfshügel können auf einem gepflegten Rasen störend wirken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Maulwurf ein Pflanzenschädling ist.

Maulwürfe ernähren sich von Bodentieren und können unter anderem Insektenlarven, Würmer und andere kleine Bodenorganismen fressen.

Ihre Grabaktivität lockert und bewegt außerdem den Boden.

Probleme können trotzdem entstehen, wenn Pflanzen durch die Grabtätigkeit unterhöhlt werden oder Erde an unerwünschten Stellen aufgeworfen wird. Diese Schäden unterscheiden sich jedoch von dem typischen Wurzelfraß einer Wühlmaus.

Was tun, wenn es tatsächlich eine Wühlmaus ist?

Wenn die Merkmale eindeutig auf Wühlmäuse hindeuten, können Sie sich mit geeigneten Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen beschäftigen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • gefährdete Wurzelbereiche bei Neupflanzungen schützen
  • aktive Gänge zuverlässig bestimmen
  • geeignete Fallen fachgerecht einsetzen
  • erneute Zuwanderung erschweren
  • den Befall nach einer Maßnahme weiter kontrollieren

Wichtig ist, nicht blind auf Hausmittel zu vertrauen. Das Umweltbundesamt bewertet zahlreiche verbreitete Methoden zur Vertreibung – beispielsweise Kaffeesatz, Haare oder verschiedene stark riechende Stoffe – als meistens wirkungslos.

Eine ausführliche Übersicht finden Sie in unserem Ratgeber: „Wühlmäuse im Garten: Wie erkennt und vertreibt man sie effektiv?“

Was tun, wenn es ein Maulwurf ist?

Wenn die Spuren von einem Maulwurf stammen, gelten andere Regeln.

Da Maulwürfe in Deutschland besonders geschützt sind, sollten Sie auf Maßnahmen verzichten, die das Tier fangen, verletzen oder töten könnten.

Auch bei einer geplanten Vergrämung ist Vorsicht sinnvoll. Informieren Sie sich über die aktuell zulässigen Maßnahmen und wenden Sie sich bei Unsicherheit an die zuständige Naturschutzbehörde.

Mehr dazu behandeln wir im Ratgeber: „Maulwurf im Garten: Was ist erlaubt und wie kann man ihn schonend vertreiben?“

Fazit: Erst bestimmen, dann handeln

Wühlmaus und Maulwurf können auf den ersten Blick ähnliche Spuren hinterlassen. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch deutliche Unterschiede.

Flache, längliche Erdhaufen, Fraßschäden an Wurzeln und wieder verschlossene Gänge sprechen eher für eine Wühlmaus. Größere, rundliche Maulwurfshügel ohne typischen Wurzelfraß sprechen eher für einen Maulwurf.

Verlassen Sie sich dennoch nicht auf nur ein Merkmal.

Die Kombination aus Erdhaufen, Pflanzenschäden, Gangverlauf und Verwühlprobe liefert eine deutlich bessere Grundlage für die Bestimmung.

Das ist besonders wichtig, weil Maulwürfe in Deutschland besonders geschützt sind.

Deshalb gilt:

Erst identifizieren – dann über geeignete Maßnahmen entscheiden.

FAQ

Wie unterscheiden sich Wühlmaushaufen von Maulwurfshügeln?

Wühlmaushaufen sind häufig flacher und länglicher und können Wurzel- oder Grasreste enthalten. Maulwurfshügel sind typischerweise rundlicher und größer. Das Erscheinungsbild allein reicht jedoch nicht immer für eine sichere Bestimmung aus.

Fressen Maulwürfe Pflanzenwurzeln?

Maulwürfe ernähren sich hauptsächlich von tierischer Nahrung im Boden. Sie können Pflanzen beim Graben unterhöhlen oder Wurzeln freilegen, fressen Wurzeln aber nicht gezielt wie Wühlmäuse.

Was ist eine Verwühlprobe?

Bei der Verwühlprobe wird ein Abschnitt eines verdächtigen unterirdischen Ganges geöffnet und anschließend beobachtet, wie das Tier darauf reagiert. Wühlmäuse verschließen aktiv genutzte Gänge typischerweise wieder. Die Probe hilft, einen Wühlmausbefall besser einzuschätzen.

Darf man einen Maulwurf in Deutschland fangen?

Maulwürfe sind in Deutschland besonders geschützt. Sie dürfen nicht ohne Weiteres gestört, gefangen oder getötet werden. Bei Unsicherheit über zulässige Maßnahmen sollte die zuständige Naturschutzbehörde kontaktiert werden.

Sind Wühlmäuse in Deutschland geschützt?

Bestimmte häufig als Schädlinge auftretende Arten wie Schermaus und Feldmaus sind von dem besonderen Schutz ausgenommen und dürfen grundsätzlich bekämpft werden. Nicht jede mausähnliche Art fällt jedoch unter diese Ausnahme, weshalb eine korrekte Artbestimmung wichtig ist.