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Der Lebenszyklus des Blauen Pfaus: vom Küken zum Balzvogel

Pfauenküken können früh laufen, bleiben aber auf Betreuung angewiesen. Bis ein junger Hahn sein auffälliges Gefieder entwickelt, durchläuft er weitere Entwicklungsphasen.

Symbolbild der Tiergruppe
Symbolbild der Tiergruppe – nicht zur Artbestimmung geeignet.

Ein Lebenslauf zwischen früher Beweglichkeit und später Pracht

Beim Blauen Pfau, Pavo cristatus, fallen zwei sehr unterschiedliche Lebensphasen auf: das kleine, unauffällige Küken und der ausgewachsene Hahn mit seiner schillernden Schleppe. Dazwischen liegen Wachstum, zunehmende Selbstständigkeit und die Entwicklung der geschlechtstypischen Merkmale. Dabei verlaufen körperliche Reife und die Ausbildung besonders auffälliger Schmuckfedern nicht einfach gleichzeitig.

Die Art stammt vom indischen Subkontinent. In Deutschland begegnen wir ihr vor allem in menschlicher Haltung. Ihr Lebenszyklus lässt sich deshalb gut an betreuten Tieren beobachten; ein Kalender aus einer indischen Freilandpopulation beschreibt jedoch nicht automatisch den Jahresablauf jeder deutschen Pfauenhaltung.

Vor der Eiablage steht die Partnerwahl

Die Balz ist eine aktive Begegnung zwischen Hahn und Henne. Der Hahn präsentiert seine aufgerichtete Schleppe und bewegt die Federn. Eine in PLOS ONE veröffentlichte Untersuchung von Dakin und Kollegen zu Pavo cristatus verbindet Feldaufnahmen mit mechanischen Untersuchungen der Federn. Sie zeigt, dass beim sogenannten Train-Rattling sichtbare Bewegungen und ein rasselndes Geräusch zusammenwirken. Das bekannte Rad ist somit kein unbewegliches Schaubild.

Für den Lebenszyklus ist die Funktion dieser Präsentation entscheidend: Sie gehört zur Werbung um eine Partnerin. Ein beobachtetes Radschlagen bedeutet aber noch nicht, dass anschließend eine Paarung stattfindet oder ein Gelege entsteht. Balz, Befruchtung, Eiablage und erfolgreiche Aufzucht sind verschiedene Ereignisse. Aus dem prächtigen Auftreten eines Hahns lässt sich der spätere Nachwuchs nicht vorhersagen.

Das Nest liegt am Boden, die Henne übernimmt die Brut

Nach dem Artporträt des Smithsonian National Zoo legt die Henne ihre Eier in eine ausgescharrte, zwischen Vegetation verborgene Bodenmulde. Sie übernimmt das Brüten; der Hahn beteiligt sich nicht an der elterlichen Betreuung. Der auffälligere Vogel ist damit nicht derjenige, der später das Nest bewacht und die Küken führt.

Für Pavo cristatus nennt das Smithsonian eine Brutdauer von ungefähr 30 Tagen. Diese Zahl ist eine allgemeine Angabe des amerikanischen Zoos zur Art, keine Messreihe aus deutschen Haltungen. Sie beschreibt eine Größenordnung, keinen taggenauen Schlupftermin für jedes Gelege. Ebenso sind gelegte Eier nicht mit geschlüpften oder später selbstständigen Jungvögeln gleichzusetzen.

Früh laufen können heißt noch nicht allein zurechtkommen

Pfauenküken sind Nestflüchter. Das Smithsonian beschreibt, dass sie schon kurz nach dem Schlupf laufen und selbst Nahrung aufnehmen können. Anders als zunächst hilflose Nesthocker bleiben sie also nicht über längere Zeit unbeweglich am Geburtsort und warten dort auf jede Mahlzeit.

Diese frühe Beweglichkeit darf dennoch nicht mit vollständiger Unabhängigkeit verwechselt werden. Die San Diego Zoo Wildlife Alliance beschreibt die weitere Führung und den Schutz durch die Henne, einschließlich des Wärmens unter ihren Flügeln. Ihre Darstellung umfasst Blaue und Grüne Pfauen; sie liefert hier die qualitative Einordnung der mütterlichen Betreuung, keinen festen Entwicklungsplan für Deutschland.

Ein Küken kann demnach selbst picken und trotzdem auf die Mutter angewiesen sein. Laufen, Nahrung erkennen, ausreichend Nahrung aufnehmen und sicher ruhen sind unterschiedliche Anforderungen. Bei einer kurzen Beobachtung ist deshalb die Beziehung zwischen Henne und Nachwuchs aussagekräftiger als die bloße Tatsache, dass ein Jungvogel bereits allein einige Schritte zurücklegt.

Junge Hähne wachsen erst in ihr auffälliges Erscheinungsbild hinein

Das bekannte Prachtkleid ist kein Merkmal frisch geschlüpfter männlicher Küken. San Diego beschreibt zunächst eine große Ähnlichkeit junger Hähne und Hennen; die auffälligere männliche Färbung und die Schleppe entwickeln sich erst im weiteren Heranwachsen. Ohne einen sicheren Blick auf geeignete Merkmale sollte aus einem unauffälligen Jungvogel daher nicht vorschnell eine Henne werden.

Auch eine beginnende Schleppe entspricht noch nicht dem Erscheinungsbild eines älteren Hahns. Die Ausbildung der Schmuckfedern erstreckt sich über mehrere Wachstums- und Mauserphasen. Für Beobachter ist deshalb die Entwicklung desselben bekannten Tieres über längere Zeit hilfreicher als ein Vergleich unterschiedlich alter Vögel auf einzelnen Fotos. Eine starre Altersbestimmung allein nach Federlänge würde mehr Genauigkeit vortäuschen, als eine solche Beobachtung erlaubt.

Die Mauser verbindet Entwicklung und Jahreszeit

Die Wilhelma erläutert, dass die lange Schleppe aus Deckfedern besteht und zur Balz präsentiert wird. Während der Mauser verliert der Hahn diese Schmuckfedern. Bis zur nächsten Balz wachsen sie wieder nach. Auch ein ausgewachsener Hahn behält sein auffälligstes Erscheinungsbild folglich nicht unverändert über das ganze Jahr.

Damit sind zwei Veränderungen auseinanderzuhalten: Ein junger Hahn entwickelt sein erwachsenes Erscheinungsbild, während ein bereits erwachsener Hahn sein Gefieder regelmäßig erneuert. Eine kürzere oder fehlende Schleppe kann deshalb ohne Kenntnis des Alters und der Jahreszeit leicht falsch eingeordnet werden.

Den Jahreslauf in Deutschland beobachten

Bei gehaltenen Pfauen helfen Aufzeichnungen über Schlupf, Wachstum und Mauser, individuelle Veränderungen nachzuvollziehen. Sie zeigen den Verlauf der eigenen Tiere, ersetzen aber keine allgemeine biologische Regel. Wetter, Unterbringung und Betreuung unterscheiden sich von den Bedingungen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet.

Ein sinnvoller Blick auf den Lebenszyklus folgt deshalb den Entwicklungsschritten, statt aus einzelnen Angaben eine feste jährliche Nachwuchsrechnung zu bauen. Wie sich dieser Lebenslauf in Nahrungssuche, Ruhe und soziale Begegnungen einfügt, beschreibt unser Beitrag Lebensraum und Verhalten des Blauen Pfaus.

Quellen